Erfahrungsbericht: Sabrina in Granada

tapas

Sabrina studiert Internationale Fachkommunikation an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Das WS 13/14 und das SS 14 verbrachte sie an der UGR – Universidad de Granada in Spanien.

Wie findet man eine Wohnung und wo wohnen die meisten Studenten? Wie hast du deine Wohnung gefunden?

Ich habe ca. 3 Monate vor Beginn meines Auslandsjahres angefangen, nach Wohnungen in Granada zu suchen. Meine Suche habe ich ausschließlich auf das Internet beschränkt. Dabei habe ich mich auf einigen Wohnungsportalen registriert. Fündig wurde ich recht schnell auf dieser Seite.
http://www.yaencontre.com/alquiler/apartamentos,casas,pisos/granada
Hatte dann E-Mail Kontakt mit der Vermieterin, wo alle meine Fragen geklärt wurden. Die kleine Einzimmerwohnung war sehr zentral, neu renoviert und nur ein paar Gehminuten von meiner Fakultät dort entfernt. Also ein richtiger Glücksgriff. Aber nicht ganz billig für Granada-Verhältnisse. WGs sind auf jeden Fall viel preiswerter und bringen auch den Vorteil der sprachlichen Verbesserung, wenn man sogar mit Einheimischen zusammenlebt.
Eine gute Möglichkeit, um Wohnungen oder WGs zu finden sind auch diverse Gruppen auf Facebook, denen man ganz einfach beitreten kann. Einfach Granada Erasmus als Suchbegriff eingeben. In den Gruppen werden regelmäßig Wohnungsangebote für Studenten gepostet.

War deine Gastuni im Zentrum oder weit außerhalb der Stadt?

Die Fakultäten der UGR sind in der ganzen Stadt verteilt. Manche sind sehr zentral, wie z.B. die Facultad de Traducción, an der ich studiert habe. Andere sind ein bisschen weiter außerhalb. Allerdings sind alle Fakultäten gut zu erreichen, sei es zu Fuß oder mit dem Bus. Momentan wird in Granada sogar eine U-Bahn (Metro) gebaut.

Wie war der Unialltag an deiner Gastuni? Welche Unterschiede gibt es zu deiner eigenen Uni?

Am Anfang war alles etwas konfus und unorganisiert. Es werden zwar extrem viele verschiedene Kurse angeboten, an denen Erasmus-Studenten teilnehmen können, jedoch gestaltet sich die letztendliche Auswahl als nicht leicht, da man sich seinen Stundenplan quasi selbst zusammenstellen muss und somit muss man Überschneidungen vermeiden. Es müssen normalerweise 5 verschiedene Kurse mit jeweils 6 Credits besucht werden. Der fertige Stundenplan muss vom Sekretariat dort genehmigt werden. Der Unialltag war eigentlich strenger als ich dachte. In einigen Kursen gibt es Anwesenheitspflicht, immer abhängig vom jeweiligen Dozent. Auch Hausarbeiten mussten oft erledigt werden. Einige Fächer waren anspruchsvoll, andere (wie z.B. Englisch-Kurse) waren weit unter dem in Deutschland gewohnten Standard. Man hat allerdings die Möglichkeit in die Kurse „reinzuschnuppern“ und sich dann erst zu entscheiden, ob man evtl. Stundenplanänderungen vornehmen will. Die vorgegebenen Fristen sollten allerdings eingehalten werden. Trotz des eher stressigen Unialltags, konnte man das Erasmusleben trotzdem in vollen Zügen genießen. (siehe unten)

Werden in der Stadt oder von der Uni viele Aktivitäten für Erasmus Studenten angeboten? Wie erfährt man davon?

Es gibt für Erasmus-Studenten fast wöchentlich Reiseangebote. Darauf spezialisierte Organisationen posten diese regelmäßig bei Facebook oder hängen Flyer an den Fakultäten auf. Diese Reisen sind auch meist sehr preiswert und gut organisiert. Auch Partys werden mehrmals die Woche und vor allem am Wochenende extra für Erasmus-Studenten organisiert (Motto-Partys, Länderabende etc.). Sowohl Reisen als auch Partys und spezielle Sportangebote etc. werden komplett in den bereits genannten Facebook-Gruppen veröffentlicht. Es lohnt sich also vielen Gruppen beizutreten.

Wie liefs mit der Sprache? Wie waren deine Sprachkenntnisse bevor du ins Ausland bist? Sollte man vorher schon einen Sprachkurs machen? Hast du einen Sprachkurs gemacht?

Meine Spanisch-Kenntnisse waren vor meinem Granada-Aufenthalt schon ziemlich gut. Vor dem Studium hatte ich bereits ein 8-monatiges Praktikum in Madrid absolviert und mehrere Jahre Spanisch in der Schule/Ausbildung hinter mir. Von daher fiel mir die Kommunikation vor Ort immer recht leicht und es war auch nicht nötig einen Sprachkurs zu besuchen. In Spanien können allerdings auch die Wenigsten gutes Englisch. Ich würde daher auf jeden Fall empfehlen einen Sprachkurs zu besuchen, wer noch Defizite hat oder sich verbessern möchte. Angebote für Sprachkurse gibt es zu genüge, allerdings sind diese meistens nicht kostenlos. Viel Kontakt zu Einheimischen und spanischen Kommilitonen ist ebenfalls Gold wert, um die Sprachkenntnisse enorm zu verbessern.

Was sollte man während seines Aufenthalts in der Stadt unbedingt machen?

Ein absolutes Muss ist natürlich ein Besuch (oder am besten mehrere) in der Alhambra. Studenten bekommen auch Rabatt auf die Tickets. Die Stadt Granada hat insgesamt sehr viel zu bieten. Sehr viele schöne Plätze, Gebäude, Restaurants, Parks etc. Die Nähe zum Strand ermöglicht bei schönem Wetter (was meistens der Fall ist) einen schnellen Trip ans Meer (ca. 40 min Busfahrt). Die Fernbusverbindungen sind ohnehin sehr praktisch um in ganz Andalusien rumzureisen. Es gibt auch Fernbusse, die z.B. direkt nach Madrid oder nach Valencia fahren. Die Preise sind auch durchaus human. In Granada sollte man auf jeden Fall auch die arabische Kultur entdecken, da die Stadt noch sehr viel arabischen Flair aufweist (arabische Bäder, Architektur etc). Es gibt viele kleine Märkte und Shops zum stöbern. Auch sehr zum empfehlen sind traditionelle Flamenco-Shows, für die einige Stadtteile besonders bekannt sind (Albaicin, Sacromonte).

Wo ist der schönste Ort um abends noch ein Bier oder Wein mit Freunden zu trinken?

Granada ist in Spanien besonders bekannt für die Vielfalt an Tapas, die man in fast allen Bars und Cafés kostenlos zum Getränk serviert bekommt. Aus diesem Grund gibt es unzählige empfehlenswerte Locations, die einen Besuch wert sind. Bars und Cafés gibt es dort sowieso an jeder Ecke. Während meiner Zeit dort bin ich kulinarisch so gut wie nie enttäuscht worden.

Hast du auch Ausflüge in die Umgebung der Stadt gemacht? Was hat dir am besten gefallen?

Ich bin sehr viel gereist und die vielen Ausflüge, die ich mitgemacht habe, waren jeden Cent wert. Teilweise mit den oben genannten Organisationen, teilweise auch auf eigene Faust. Spanien ist ein Land mit sehr vielen Facetten, vielen Sehenswürdigkeiten, tollen Stränden und Landschaften und auch kulturell ganz weit vorne. Reisen ist also ein absolutes Muss!

In welches Viertel kann man nachts noch gehen wenn man noch nicht nach Hause möchte? Und wo findet man dann noch was zu essen?

In Granada und allgemein in ganz Spanien wird bis in die Morgenstunden gern gefeiert. Prinzipiell geht man aber vor Mitternacht selten los. In den Clubs Granadas ist selten vor 1 oder 2 Uhr nachts etwas los. Vorher trifft man sich üblicherweise mit Freunden zuhause oder im Park, um das ein oder andere Bier oder Tinto de Verano (Rotwein+Limo) zu trinken. Ich habe mich nachts/morgens nach dem Clubbesuch in der Stadt immer sehr sicher gefühlt und ich kenne keine Gegenden oder Viertel, die man meiden sollte. Der Bürgermeister Granadas betont auch gerne, dass die Stadt ihren ausländischen Studenten perfekte Sicherheit bietet.

Hast du eine Lieblingsbar oder einen Lieblingsclub?

Besonders empfehlenswert ist „El Camborio“ – ein Nachtclub im Viertel Sacromonte mit schönem Außenbereich und Blick auf die Alhambra. Bei vielen Studenten beliebt ist „Campus“ – ein recht zentraler Club mit aktueller Chartmusik. Das „Mae West“ ist in Granada sehr bekannt und sehr beliebt. Der Club ist sehr groß und hat mehrere Floors. Da ist für jeden Geschmack was dabei.

Auf was sollte man achten? Was sollte man nicht tun um die Einheimischen nicht zu verärgern?

Generell unterscheidet sich die spanische Kultur nicht allzu von der deutschen. Ein Unterschied jedoch ist beispielsweise die unterschiedlichen Essenszeiten. Das Mittagessen findet meistens erst zwischen 14 und 15 Uhr statt und somit verschiebt sich das Abendessen auch nach hinten, meistens zwischen 21 und 22 Uhr. Im Sommer teilweise auch noch später. Die Spanier sehen im Allgemeinen die Dinge etwas gelassener. Also nicht wundern, wenn manche Sachen dort einfach etwas länger brauchen als in Deutschland beispielsweise (z.B. Bürokratie). Um Einheimische nicht zu verärgern sollte man vielleicht nicht unbedingt von Politik reden, da es wirtschaftlich in Spanien ja nicht so rosig lief. Da die Spanier aber ein temperamentvolles Volk sind und dieses Thema die meisten betrifft und beschäftigt, sprechen Sie einen aber meist auch selbst früher oder später auf das Thema an, vor allem wenn man erwähnt das man aus Deutschland kommt. Jedoch ist dies nicht böse gemeint, sondern eher mit viel Neugier verbunden.

Was ist typisch für die Einwohner der Stadt?

Die Einwohner Granadas sind sehr offen und freundlich. Sie sind viele Turisten aus der ganzen Welt gewöhnt und empfangen vor allem die ausländischen Studenten mit offenen Armen. Besonders gut gefällt es den Granadinos wenn man ihre Sprache spricht (oder es zumindest versucht). Auch wenn der andalusische Akzent am Anfang selbst für Spanisch-Sprechende eine kleine Herausforderung ist. Wie oben schon gesagt, sind die Spanier sehr nachtaktiv und vor allem an ganz heißen Tagen wird sehr oft die Nacht zum Tag gemacht, allein schon um die Hitze am Tag zu vermeiden.

Hand aufs Herz, hast du öfters die Landessprache oder Englisch gesprochen?

Auf jeden Fall die Landessprache! Die Einheimischen, wie gesagt, sprechen eh kaum Englisch und auch an den jeweiligen Fakultäten hat man die Mehrheit der Kurse mit Spaniern zusammen.

Was hast du an der Stadt am meisten vermisst als du wieder in Deutschland warst? Hast du noch einen Tipp oder eine lustige Anekdote?

Da der Granada-Aufenthalt ja bereits mein 2. langfristiger Spanien-Aufenthalt war, vermisse ich das Leben in Spanien jeden Tag ein wenig. Ich habe mich immer sehr schnell und sehr gut dort eingelebt und würde das jeder Zeit wieder machen. Speziell was Granada angeht vermisse ich die schönen Plätze und Ecken mit arabischem Einfluss, die tollen Bars mit den kostenlosen Tapas und natürlich die andalusische Sonne.

Kommentar hinterlassen on "Erfahrungsbericht: Sabrina in Granada"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*